Dauerausstellung
Lichtenberg ist ein Bezirk der Vielfalt. Hier trifft vieles aufeinander: Dorf, Stadt und Großsiedlung, Kiez- und Weltgeschichte, Menschen unterschiedlicher Herkunft und Interessen. Ein Bezirk in Bewegung, der sich immer wieder neu erfindet. Unsere Dauerausstellung ist davon inspiriert. Sie ist experimentierfreudig und multiperspektivisch angelegt. Sie zeigt nicht EINE Sicht, sondern verschiedene Perspektiven auf Lichtenberg. Sie zeichnet nicht EINE Geschichte nach, sondern beleuchtet viele unterschiedliche Facetten. Sie bietet Anknüpfungspunkte, um zu verstehen, wie Lichtenberg zu dem Bezirk wurde, der er heute ist.
Die Dauerausstellung des Museum Lichtenberg ist → inklusiv gestaltet und hat viele Mitmach-Stationen.
Die Dauerausstellung erzählt, was Lichtenberg so besonders macht. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Arbeiten – Leben – Verändern, die in vier Ausstellungsräumen zu erleben sind:
WAS erzählt von zeitgeschichtlichen Ereignissen des Bezirks.
WO präsentiert die Vielfalt an Ortsteilen.
WER dreht sich um Personen und ist mit einer Kreativ-Insel offen für neue Ideen.
WOW zeigt Überraschendes aus Lichtenberg.

Die neue Dauerausstellung im Museum Lichtenberg wird gefördert aus Mitteln der LOTTO-Siftung Berlin.
Das Vorhaben „Umrüstung der Beleuchtung auf LED im Museum Lichtenberg“ (Projektlaufzeit: 11/2019 bis 03/2021) wird im Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Berlin (Förderkennzeichen 1285-B2-K).
Aufbruch 1900–1933
Die Schlote rauchen. Tausende haben in den Fabriken von Lichtenberg Arbeit gefunden. Das starke Wirtschaftswachstum geht mit einem rasanten Aufschwung von Wissenschaft und Forschung einher. Der Fortschritt ist überall spürbar: Technische Neuerungen beschleunigen den Alltag, neue Medien verändern den Blick auf die Welt.
Es ist ein Aufbruch, mit dem sich gewohnte Lebenswelten und das Bewusstsein der Menschen wandeln. Sie beginnen, ihre Rechte einzufordern. In Lichtenberg gewinnt die Arbeiterschaft an Selbstvertrauen. Die Arbeiter*innen schließen sich zusammen und organisieren sich in Vereinen, politischen Organisationen und Gewerkschaften. Lichtenberg wird zu einem Zentrum der Arbeiterbewegung.
Karlshorst
Karlshorst, das im Süden Lichtenbergs liegt, ist ein Ort erstaunlicher Gegensätze. Seit 1894 zieht eine Pferderennbahn Menschen in den Berliner Vorort. Ab 1894 lässt das Kaiserhaus erschwingliche Siedlungshäuser als soziales Vorzeigeprojekt errichten. Karlshorst entwickelt sich auch für besser gestellte Berliner*innen rasch zum begehrten Wohnviertel, in dem zahlreiche Villen und Landhäuser entstehen.
1945 wird Karlshorst zum Schauplatz der Weltgeschichte: Am 8. Mai 1945 unterzeichnen Vertreter der deutschen Wehrmacht hier im Offizierskasino die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Damit ist der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Daran erinnert bis heute das Museum Berlin-Karlshorst.
Bereits im April 1945 marschiert die sowjetische Armee in Karlshorst ein und erklärt das gesamte Wohnviertel zum Sperrgebiet. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland regiert ab diesem Zeitpunkt von Karlshorst aus. Von 1954 bis 1991 befindet sich hier außerdem die Deutschland-Zentrale des sowjetischen Geheimdienstes KBG, die größte KGB-Zentrale außerhalb der UdSSR. Erst 1994 ziehen die sowjetischen Streitkräfte aus Karlshorst ab.
Die Spuren der fast 50-jährigen Präsenz der Besatzungsmacht sind bis heute sichtbar, auch wenn längst wieder das Wohnen im Mittelpunkt steht. So werden etwa ehemalige Militärstandorte wie die Festungspionierschule zu Wohnzwecken umgebaut. Außerdem werden die Wohnhäuser des Gebietes umfassend saniert, die Infrastruktur ausgebaut und neue Siedlungsprojekte umgesetzt. So ist Karlshorst mittlerweile wieder zu einem beliebten Wohnviertel geworden, das sich eines großen Zuzugs erfreut, besonders von jungen Familien.
Oskar Ziethen
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Der Kommunalpolitiker Oskar Ziethen (1858 – 1932) gilt als Wegbereiter des modernen Lichtenbergs. Er führt die Landgemeinde auf den Weg zur industriell geprägten Großstadt, die Teil von Groß-Berlin wird. Als Gemeindevorsteher ab 1896 organisiert und begleitet er diesen Aufstieg maßgeblich mit. Unter seiner Leitung entstehen in kürzester Zeit Einrichtungen wie Krankenhäuser, Schulen, das Rathaus und das Amtsgericht, Wasser- und Elektrizitätswerke. Außerdem lässt er Verkehrswege ausbauen und schafft günstige Bedingungen für die Ansiedlung von Handel und Industrie.
Sein zielstrebiges Wirken zahlt sich aus: Mit der Industrie kommen die Menschen nach Lichtenberg und die Gemeinde wächst bis 1907 auf 70.000 Einwohner*innen an. Der Kaiser verleiht Lichtenberg im selben Jahr das Stadtrecht. So wird aus dem ehemaligen Dorf die Stadt Lichtenberg – und Ziethen 1908 ihr erster Bürgermeister.
Ilse Stöbe
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Die Lichtenbergerin Ilse Stöbe (1911 – 1942) ist Mitglied eines Widerstandsnetzwerks im Dritten Reich. Sie arbeitet als Journalistin und für die Informationsabteilung des Auswärtigen Amts. Die dort gesammelten Informationen leitet sie an den sowjetischen Nachrichtendienst weiter, doch ihre Warnung vor dem bevorstehenden Überfall der deutsche Wehrmacht auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wird ignoriert. Ihren Widerstand gegen das NS-Regime bezahlt sie mit dem Leben: Als der sowjetische Geheimdienst nach dem Einmarsch deutscher Truppen versucht, mit ihr Kontakt aufzunehmen, erfährt die Gestapo davon. Stöbe wird im September 1942 festgenommen und im Dezember desselben Jahres vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt. Am 22. Dezember 1942 wird sie in Plötzensee hingerichtet. Jahre später vereinnahmt das Ministerium für Staatssicherheit ihre Geschichte und setzt ihr ein Denkmal.